
Geschichte Karabalgasuns
Karabalgasun, auch bekannt als Ordu-Baliq, war die Hauptstadt des uigurischen Khaganats, das von 744 bis 840 n. Chr. in Zentralasien existierte. Diese Stadt liegt in der heutigen Mongolei, am Fluss Orchon, und ist eine der bedeutendsten archäologischen Stätten der Region. Ihre Geschichte spiegelt die politische, kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit des uigurischen Reiches wider.
Gründung der Stadt
Ursprünglich als Vasallen der im 6. und 7. Jahrhundert auch im mongolischen Orkhontal herrschenden Göktürken, gelang es den Uighuren, nach erfolglosen Versuchen der Machtetablierung, in der Mitte des 8. Jahrhunderts ihre Macht gegen den herrschenden Clan durchzusetzen und das uighurische Reich mit seiner neuen Hauptstadt Karabalgasun im Jahr 745 zu gründen. Bei den Uighuren handelte es sich um eine aus neun Stämmen bestehende türkische Stammeskonföderation, die sich im Zuge der Machtetablierung zusammenschlossen und in dieser neu gewonnenen Einheit zu großer Macht im zentralasiatischen Steppenraum gelangten. Es war Kutlug Bilgä Köl, der als erster Khagan der vereinten Uighuren seinen Machtanspruch durchsetzen konnte und mit der Staatsgründung sowie der Errichtung der Hauptstadt Karabalgasun den Grundstein für das erste uighurische Reich legte.
Beziehungen zum chinesischen Tangreich und den Sogdern
Im Vergleich zu den vorangehenden Imperien, war das uighurische Reich zwar kleiner in seiner flächenmäßigen Ausdehnung, dafür aber umso erfolgreicher darin, Tribute und Handelsprivilegien von China zu erzwingen. Dabei verließen sich die Uighuren nicht allein auf Plünderungen und das Empfangen von Tributen, sie boten sich stattdessen den Chinesen als militärische Verbündete, unter anderem in der Niederschlagung der An Lushan Rebellion an und machten sich so für die Tang-Dynastie zur unersetzlichen Stütze. Als Gegenleistung erhielten sie eine enorme Zahl an wertvollen Gütern, wie beispielsweise 100 000 Stück Seide, später sogar bis zu 500 000 Stück im Jahr. Durch diesen enormen Reichtum wurden die Uighuren, mit Hilfe des Handelsnetzwerkes des zentralasiatischen Volkes der Sogder, zu wichtigen Mittelsmännern im Handel der Seidenstraße. Die Übernahme des manichäischen Glaubens durch den uighurischen Herrscher und die Einführung der sogdischen Schrift verdeutlichen die einflussreiche Position, die die Sogder auch im alltäglichen Leben der Stadt hatten. Die berühmte dreisprachige Inschrift von Karabalgasun belegt dies ebenfalls.

Verwaltungs- und Handelszentrum
Die Stadt wurde als Verwaltungs- und Handelszentrum angelegt und spielte eine zentrale Rolle im politischen und kulturellen Leben der Uiguren. Ihr Name, Ordu-Baliq, bedeutet wörtlich “Palast-Stadt” oder “Heer-Stadt” und deutet auf ihre Funktion als Residenz des Khagans und als militärisches Zentrum hin.
Karabalgasun erstreckte sich über eine Fläche von etwa 44 Quadratkilometern und war in verschiedene Viertel, die teilweise von Mauern umgeben waren, gegliedert. In ihr fanden sich prächtige Paläste, Tempel, Wohnviertel und Handwerksbetriebe. Karabalgasun war ein bedeutendes Handelszentrum an der nördlichen Route der Seidenstraße. Die Stadt zog Händler aus verschiedenen Teilen Asiens an, darunter Chinesen, Sogdier und Araber. Diese multikulturellen Handelsbeziehungen trugen zur wirtschaftlichen Prosperität der Stadt bei und machten sie zu einem Knotenpunkt des kulturellen Austauschs. Archäologische Funde, wie Münzen, Keramik und Textilien, belegen die weitreichenden Handelsverbindungen und den materiellen Wohlstand der Stadt.
Die Hauptstadt Karabalgasun und ihr plötzliches Ende
Als Hauptstadt des uigurischen Khaganats war Karabalgasun das politische Herz des Reiches. Hier residierten temporär die Khagane, die von hier aus ihre Herrschaft über ein weitläufiges Gebiet ausübten. Die Stadt war auch ein Zentrum der Bildung und Kultur. Die Uiguren waren bekannt für ihre Schriftkultur und hinterließen eine Vielzahl von Inschriften, Manuskripten und literarischen Werken.
Die Blütezeit von Karabalgasun endete abrupt im Jahr 840 n. Chr., als das uigurische Khaganat durch einen Angriff der Kirgisen zerstört wurde. Die Stadt wurde geplündert und niedergebrannt, und die Uiguren wurden gezwungen, sich nach Westen zurückzuziehen.
