
Das Handwerkerviertel und die Torgrabung
Südlich des Tempel- und Palastbezirks und westlich des Bereiches in dem der manichäische Tempel vermutet wird, liegt ein weiterer markanter bebauter Bezirk der alten Stadtanlage. Seine Funktion und Bedeutung lassen sich bislang nur erahnen.
Die Gestaltung des Handwerkerviertels
Bis zu einer Höhe von etwa 80 Zentimetern ist der Wallkörper dieses Bezirks (von uns als HB 3 bezeichnet) heute noch sichtbar. Er umschließt eine rechteckige Fläche von ca. 800 x 1400 m. Das Areal grenzt auf der westlichen Seite an die große Prachtstraße von teilweise über 100 m Breite, die von Süden kommend auf die Tempel- und Palaststadt zuläuft. Deutlich auf dem Laserscanplan erkennbar ist die Lücke in der östlichen Wallkonstruktion des Viertels, die einen Zugang vom Bereich der großen Straße in das Innere des Areals ermöglichte. Auf der Innenseite befindet sich eine zu einem Platz erweiterte Straße von ca. 60 m Breite, über die die einzelnen Bereiche des Stadtbezirks erschlossen werden konnten. Auch über drei weitere Durchlässe in der nördlichen Umfassungsmauer gelangte man in das Viertel. Das Innere dieses von uns als Handwerkerviertel oder HB3 bezeichneten Bezirks ist wiederum durch ein nicht ganz regelhaft angeordnetes Gewirr von Gebäuden, kleinen Straßen und umwallten Bereichen dicht bebaut gewesen, so dass man sich hier eventuell ursprünglich ein lebhaftes Treiben in engen Gassen vorstellen kann. In diesem Bereich haben bislang nur wenige archäologische Untersuchungen stattgefunden.
Das als HB 3 bezeichnete Viertel auf dem Laserscanplan

Die Grabung im Torbereich






Eine Ausgrabung im Bereich des Mauerdurchlasses auf der Ostseite im Jahr 2012 zeigte, dass es an dieser Stelle einen regelmäßig genutzten Durchgang gegeben hat, der durch eine Toranlage verschließbar war. Konstruiert war die Toranlage aus vier Granit- und Kalksteinen, die in regelmäßigem Abstand als Säulenbasen gesetzt wurden und einen hölzernen Torbau mit neun Metern Breite und sieben Metern Tiefe trugen. Eingebunden war diese Toranlage in die Ummauerung von HB3, die aus einer ca. 2-3 m hohen Stampflehmmauer bestand, die nach außen mit einer aus Holzpfosten und un- oder leicht gebrannten Ziegeln im „Opus spicatum“ Verband gesetzten Mauer verblendet war. Das Laufniveau im Torbereich bestand aus einer dünnen estrichartigen Schicht, in die kleine bis mittelgroße Kiesel eingesetzt waren. Spuren der Nutzungszeit haben sich in Form von in den Estrich eingetretenen Keramikscherben und Knochenresten erhalten. Die Tatsache, dass einige maßgebliche Bauelemente der Toranlage Spoliencharakter haben, lässt vermuten, dass die Toranlage erst nach einiger Zeit des Bestehens der Stadtanlage errichtet wurde, auch eine Renovierung ist als Ursache denkbar. Wie auch an allen anderen untersuchten Gebäuden der Stadt, ist auch hier Feuer als Ursache für die Zerstörung der Toranlage sowie der angrenzenden Umfassungsmauer zu nennen, wobei die Hitzeeinwirkung hier deutlich weniger stark war als im Bereich der Zitadelle. Es ist also auch hier davon auszugehen, dass die Anlage im Rahmen der Vertreibung der Uighuren durch die Kirgisen in der Mitte des 9. Jahrhunderts zerstört worden ist.
Die eisernen Bügeleisen
