
Die Archäozoologie
Tierknochen, -zähne und andere tierische Überreste gehören bei vielen archäologischen Ausgrabungen mit zu den zahlreichsten Funden. Das Fachgebiet der Archäozoologie nutzt verschiedenste Methoden aus den Bereichen Zoologie, Biologie, Archäologie, Ökologie u. v. a., um aus dieser Fundgattung mehr über die vielfältigen Beziehungen zwischen Mensch und Tier zu lernen.
Grundlagen der Archäozoologie
Die Grundlage jeder archäozoologischen Interpretation bilden die Daten, die aus den gefundenen tierischen Überresten gewonnen werden können. Dazu gehört besonders die taxonomische Bestimmung, d. h. die Identifizierung der Tierarten, von denen die Überreste stammen. Diese Bestimmung basiert auf charakteristischen äußerlichen Merkmalen von Knochen und Zähnen. Weitere wichtige Informationen sind das Alter des Tieres zum Zeitpunkt seines Todes, das anhand des Schließungszustands der sogenannten Epiphysenfuge eines Knochens, des Vorhandenseins bzw. des Durchbruchszustands von Milch- oder permanenten Zähnen sowie des Abnutzungsgrades der Zähne bestimmt werden kann. Auch das Geschlecht kann an einigen charakteristischen Knochen, v. a. dem Becken, festgestellt werden. Messungen bestimmter Längen und Breiten der Knochen können ebenfalls zur Geschlechterbestimmung, aber auch zur Größenrekonstruktion und der Unterscheidung zwischen Haus- und Wildtierarten genutzt werden.
Fragestellungen in der Archäozoologie
All diese Daten können nach ihrer Erhebung im Hinblick auf verschiedene Fragestellungen quantitativ und qualitativ ausgewertet werden. So vermittelt die relative Häufigkeit der Knochen einer Tierart einen Eindruck davon, welche ökonomische Bedeutung die jeweilige Spezies für die zugehörige menschliche Gruppe besaß. Aus der Geschlechts- und Altersverteilung der getöteten Tiere lässt sich rückschließen, ob eine Tierart zu einem bestimmten Zweck gehalten wurde, etwa vorrangig für die Fleisch-, Milch- oder Wollproduktion. Die Überreste werden zudem auf pathologische Veränderungen untersucht, um den allgemeinen Gesundheitszustand des Tierbestandes zu ermitteln und z. B. die Nutzung einiger Individuen als Zugtiere festzustellen. Auch Schnitt-, Schlag- oder Bissspuren sowie Hinweise auf die Einwirkung von Feuer sind wichtige Informationsquellen und geben Auskunft über Schlacht- und Verzehrgewohnheiten. Der Vergleich von archäozoologischen Daten verschiedener Fundplätze oder Zeitstellungen kann kulturspezifische Eigenheiten der Tierhaltung erkennbar machen. Seit einiger Zeit werden auch weitere naturwissenschaftliche Methoden wie beispielsweise Isotopenanalysen und DNA-Untersuchungen für die Beantwortung archäozoologischer Fragestellungen herangezogen.
Untersuchungen in Karakorum und Karabalgasun
Für Karakorum wurde 2010 eine erste vorläufige Analyse eines Teils des Tierknochenmaterials durchgeführt. Diese konnte beispielsweise zeigen, dass für die Versorgung der Stadt nahezu ausschließlich domestizierte Tiere und hier besonders Schafe und Rinder genutzt wurden. Die Jagd auf Wildtiere scheint dagegen keine Rolle gespielt zu haben. Das Schlachtalter der Schafe zeigt zudem einen Fokus auf Tieren zwischen ein und zwei Jahren, was auf die Fleischproduktion als vorrangiges Ziel der Schafhaltung hinweist.
Auch von Karabalgasun wurden Tierknochen analysiert und die Ergebnisse waren mit dem aus Karakorum vergleichbar.