
Der “Stupa”
Im Inneren der Tempel- und Palaststadt ragt die weithin sichtbare und mit etwa 13 Metern höchste Erhebung der Stadt aus dem Innern des Palastwalls auf, der sogenannte Stupa. Heute ist auf seiner Spitze ein Holzpfosten eingelassen, an dem bunte buddhistische Gebetsschals befestigt sind und der als religiöser Kultort mit Airag begossen und kleinen Opfergaben bestückt wird.

Was ist ein Stupa?
Als „Stupa“ werden turmartige Bauwerke bezeichnet, die im Buddhismus als Sakralbauten genutzt werden. Dabei handelt es sich meist um massive Gebäude ohne Innenraum, Fenster oder Türen, mit rein symbolischer Funktion. Die Bauweise orientiert sich an den Himmelsrichtungen und folgt einer klaren Geometrie mit symmetrischen Formen. Stupas fanden von Indien her eine große Ausbreitung im ost- und südostasiatischen Raum bis nach Afghanistan. Dabei entstanden im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Variationen der Formgebung, deren drei Hauptfunktionen als Reliquienschrein, Erinnerungsmal und Votivgabe bis heute bestand hat.
Die Ausgrabung am Stupa
Um Fragen nach der Bauweise und Funktion des Stupas in Karabalgasun genauer klären zu können, begannen wir im Jahr 2019 mit der Ausgrabung im nördlichen Bereich der Baustruktur. Deutlich erkennbar war noch, dass das Gebäude aus Stampflehm errichtet worden war, so dass die Hoffnung bestand, im Bereich des Gebäudefußes unter dem erodierten Erdreich erhaltene Reste einer Mauerverschalung zu finden. Es fanden sich in den oberen Schichten zunächst vor allem größere Mengen an gebrannten Lehmziegeln die von dem jahrhundertelangen Zerfall des großen Bauwerks zeugten. Unterhalb dieser Schuttschicht war ein wenige Zentimeter starker Brandhorizont mit hoher Holzkohlekonzentration erhalten, der möglicherweise auf die Zerstörung Karabalgasuns zurückzuführen ist.

Während damit nun erste Informationen zum Aufbau des Stupas vorliegen, ist nach wie vor unklar, mit welcher Religionsausübung er in Verbindung zu bringen ist und wie er genutzt wurde. Sicher ist, dass er zeitgleich mit der Stadtanlage errichtet wurde und kein späterer Einbau ist. Eventuell können weitere Grabungen im Bereich des Bauwerks noch offene Fragen beantworten.