Bild, das Überreste von Karabalgasun zeigt
Blick von Südosten über die Tempel- und Palaststadt © / DAI Foto M. Riemer

Die Zitadelle

Die Tempel- und Palaststadt von Karabalgasun ist eine beeindruckende archäologische Stätte, die bis heute von zwei auffälligen Bauwerken dominiert wird. Die Zitadelle in der Südostecke der Anlage bildete dabei den zentralen Wohnbereich.

Stupa und Zitadelle

Besonders auffällig ist außerdem eine Turmkonstruktion in der westlichen Hälfte der Tempel- und Palaststadt, die als Stupa bezeichnet wird und deren Funktion bis heute unklar ist. In der südöstlichen Ecke befindet sich außerdem die Zitadelle selbst, vermutlich der königliche Wohnbereich. Dieses aufgeschichtete Podium, über 10 Meter hoch und etwa 60 x 70 Meter groß, war von einer hohen Mauer umgeben, die den inneren Bereich vor Angriffen schützte. Über Treppen oder Rampen gelangte man in das Innere der Zitadelle, der Zugang war über zwei Torbauten geregelt, die in das Innere der Zitadelle führten.

Eine prächtige Festungsanlage

Zusammengefasst lässt sich die Zitadelle von Karabalgasun als eine prächtige Festung vorstellen: Man betrat sie durch ein großes Nordtor und gelangte in einen von Säulen umgebenen, gepflasterten Hof. Von dort aus führte ein weiteres Portal in einen herrschaftlichen Saal, dessen Wände mit graublauem Putz verziert waren. Der gesamte Gebäudekomplex war sorgfältig angelegt, jedoch zeugen die Reste von Zerstörung und allmählichem Verfall davon, dass die Zitadelle einst Schauplatz heftiger Kämpfe war.

Blick über die Zitadelle von Nordwesten © / DAI Foto M. Riemer

Funde der Zitadelle im Fundkatalog

Das Nordtor der Zitadelle

Das nördliche Tor war besonders prächtig und wahrscheinlich der Haupteingang. Es wurde von zwei massiven Mauervorsprüngen flankiert, die in den Innenhof ragten. Anhand von erhaltenen Pfostenkonstruktionen vermuten wir, dass ein hoher Torturm den Eingang sicherte, wie man es von anderen zeitgenössischen Anlagen und Abbildungen kennt. Durch das Tor betrat man einen gepflasterten Innenhof, der von leichten Gebäuden oder offenen Gängen entlang der Zitadellenmauern flankiert wurde. Ein Entwässerungssystem weist darauf hin, dass dieser Hof nicht überdacht war.

Das westliche Tor

Das westliche Tor war kleiner und schlichter. Hier haben sich einige Treppenstufen und die Reste von Torwangen erhalten, die die Stampflehmmauer stützten. Auch dieses Tor konnte durch eine massive Tür verschlossen werden, von der noch Verankerungen im Boden zu sehen sind. Dahinter führte ein hölzerner Bohlenweg zu einer Treppe, die auf ein 70 cm hohes Podest führte. Auf diesem stand ein längliches Gebäude, vermutlich eingeschossig.

Das Hauptgebäude

Das Hauptgebäude der Zitadelle befand sich jedoch in der südöstlichen Ecke. Hier fanden wir die Überreste eines turmartigen Baus, 20 x 20 Meter groß. Im Inneren wurde das Gebäude durch Stampflehmwände und Holz sowie drei Reihen von Säulenbasen unterteilt. Der zentrale Raum war ein herrschaftlicher Saal, in dem sorgfältig gearbeitete Säulenbasen auf einen großen, stabilen Bau schließen lassen. Schuttreste und Spuren von Feuer deuten darauf hin, dass die Zitadelle durch einen Brand zerstört wurde. Der massive Schutthaufen lässt außerdem vermuten, dass das Hauptgebäude mehrstöckig war. Interessanterweise wurden in den unteren Schichten Reste eines Fußbodens entdeckt, die durch die dicken Schuttmassen geschützt waren. Darin fanden sich auch Hinweise auf kriegerische Auseinandersetzungen, wie Pfeilspitzen und Fußangeln. Die Mauern der Zitadelle standen wohl noch eine Weile nach dem Brand, bevor sie allmählich der Erosion erlagen und schließlich einstürzten.

Die Entdeckung des Brunnens

Auch die Wasserversorgung war gesichert: so konnten wir die Überreste eines Brunnens im Innenhof entdecken, der tief in den Boden reichte und während Belagerungen vermutlich die Wasserversorgung sicherstellte.