Bild, das Brennöfen zeigt
Öfen am Orchon © J.Linden/DAI

Die großen Öfen

Zu den beeindruckendsten Entdeckungen bei den Ausgrabungen in Karakorum gehört der Brennofenbezirk, der sich südlich und westlich der großen buddhistischen Tempelanlage im Südwesten der Stadt befindet. Diese Brennöfen, die äußerst gut erhalten sind, sind die ersten ihrer Art, die in der Mongolei ausgegraben wurden und liefern wertvolle Einblicke in die Technikgeschichte dieser Zeit.

Die Konstruktion der Öfen

Entdeckt wurden die Öfen im Jahr 1999 durch geomagnetische Untersuchungen des Instituts für Strahlen- und Kernphysik der Universität Bonn. Die Messungen zeigten nur wenige Meter südlich und westlich der „Großen Halle“ sechs starke Signale, die auf stark verbrannte Strukturen hindeuteten. Während der Grabungen im Sommer 2000 konnte ihre Funktion und ihr Aufbau genauer untersucht werden. Die Öfen bestehen aus einer leicht ovalen Brennkammer mit einem lehmig-sandigen Boden, der durch die Hitze ausgehärtet ist. Vor der Öffnung der Brennkammer befindet sich ein bis zu 1,20 m tiefes gemauertes Loch, das als Feuerkammer diente. Die Befeuerung erfolgte über einen Schürkanal, der auch die Sauerstoffzufuhr regelte. Auf der gegenüberliegenden Seite der Feuerkammer war die Brennkammer durch eine kaminartige Abtrennung gegliedert, die den Luftabzug und die Temperaturregelung ermöglichte.

Was wurde in den Öfen gebrannt?

Glücklicherweise fanden sich in den Brennkammern und in der Umgebung der Öfen zahlreiche Brenngüter, sodass klar bestimmt werden konnte, welches Material in den Öfen gebrannt wurde. In zwei der Öfen entdeckte man Reste von Löwen-Drachenköpfen und viele Bruchstücke gehörnter Drachen sowie eine grün glasierte Terrakottafigur. Andere Öfen enthielten Reste von Dachziegeln, Mauer- und Fußbodenziegeln sowie ungebrannte Lehmziegel. Diese Funde lassen darauf schließen, dass die Öfen zur Herstellung von Baumaterialien für den Bau des großen Tempels genutzt wurden. Ein kleinerer Ofen im Westen des Tempels diente vermutlich der Herstellung einfacher Gefäßkeramik. Große Mengen von Mauerziegelresten im Inneren der Öfen deuten darauf hin, dass diese ursprünglich höher gemauert und möglicherweise überkuppelt waren. Solche „Manthouöfen“ oder „cross-draught kilns“ sind seit dem 1. Jahrtausend in Zentralasien bekannt.

Reliefplatte mit der Darstellung eines Drachen-Löwen

Beschreibung

Ein Teil von einem Reliefplatten-Dachschmuck. Diese Kopf von einem fantastischen Mischwesen aus Drachen und Löwenelementan scheinen zunächst in Formen gegossen, dann von Hand mit einem messerähnlichen Werkzeug ueberarbeitet und dann durch Brennen in einem Ofen gehärtet worden zu sein. Der handgefertigte lange Schnabel, das große, klaffende Maul, Haare und Mähne sind zu blattförmigen Mustern verschmolzen und fleischige Teile wie die Augen sind geprägt.

Die Brennöfen am Orchon

In den Jahren 2008 und 2009 wurde ein noch größerer Brennofenbezirk in der Nähe des Flusses Orchon erforscht, der ebenfalls aus der Zeit Karakorums stammt. Ein ortsansässiger Künstler hatte entdeckt, dass in diesem Bereich viele keramische Funde an der Oberfläche zu finden waren. Archäologische Untersuchungen bestätigten das Vorhandensein von mindestens 11 weiteren Brennöfen. Das Fundmaterial bestand vor allem aus Brennhilfsmitteln, Traufziegeln und Terrakotten, die oft Glasurreste aufwiesen, was auf regelmäßige Glasurbrände hindeutet. Beide Ofenbereiche dienten wahrscheinlich der regelmäßigen Herstellung von Baumaterialien für die Errichtung der Stadt. Die benötigten Materialien wie Holz, Ton und Wasser waren in den weiten Ebenen des Orchontals und im angrenzenden Khangaigebirge in ausreichender Menge vorhanden.