Bild, das die Vertragsunterzeichnung zeigt
Vertragsunterzeichnung auf dem Stadtgelände von Karakorum © C. Stutterheim/Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Die Geschichte des Forschungsprojektes

Die mongolisch-deutsche Zusammenarbeit im Bereich der Archäologie läuft seit über 20 Jahren. Sie findet innerhalb zweier großer Projekte statt – der Mongolisch-Deutschen Karakorum-Expedition und der Mongolisch-Deutschen Orchon-Expedition. Innerhalb dieser Projekte werden zahlreiche Ausgrabungen, Forschungen, Kulturerhaltsmaßnahmen, Lehrveranstaltungen und Veröffentlichungen durchgeführt.

Die Mongolisch-Deutsche Karakorum-Expedition (MDKE)

Bereits in sozialistischer Zeit fanden in Karakorum archäologische Untersuchungen durch mongolische und sowjetische Wissenschaftler statt. Die demokratische Wende des Jahres 1990 in der Mongolei eröffnete auch der Erforschung von Karakorum neue Möglichkeiten. In den Jahren 1995 und 1996 unterstützen die UNESCO und japanische Wissenschaftler ein Projekt zur Erforschung und Erhaltung Karakorums. Die Stadtanlage wurde vermessen und die Oberfläche untersucht. Die Forscher stellten fest, dass die Erhaltung der Ruinen durch verschiedene Einflüsse gefährdet war. Zu den Gefährdungen gehörten die landwirtschaftliche Nutzung, näher rückende Bebauung, die Beraubung durch Schatzsucher und das Befahren der Anlage mit Fahrzeugen. Die größten Schäden waren allerdings im Laufe der Jahre durch die Archäologen selbst verursacht worden: Viele Grabungsschnitte und Sondierungen der verschiedenen Expeditionen waren unverfüllt geblieben und die freigelegten Reste Verwitterung und Verfall preisgegeben. Nach diesen Ergebnissen wurde die Stadtruine erstmals von einem Zaun umgeben, um sie besser schützen und erhalten zu können. Nach diesen ersten Kooperationen mit ausländischen Kollegen wurde im Herbst 1998 ein Kooperationsvertrag zwischen der Mongolischen Akademie der Wissenschaften, der Universität Bonn und dem Deutschen Archäologischen Institut unterzeichnet. Der Vertrag sah die Gründung der Mongolisch-Deutschen Karakorum-Expedition und die gemeinsame Erforschung der Stadtwüstung durch deutsche und mongolische Wissenschaftler vor. Die Schirmherrschaft der Präsidenten beider Länder unterstrich auch die politische Bedeutung dieses Projektes. Im Jahr 2000 fanden die ersten gemeinsame Grabungskampagnen statt. Seitdem werden regelmäßig verschiedene Ausgrabungen, Forschungen, Kulturerhaltsprojekte und Ausstellungen rund um die mittelalterliche Stadt Karakorum durchgeführt.

Weidende Schafherde auf dem Stadtgelände von Karabalgasun © H. Wittersheim / DAI

Die Mongolisch-Deutsche Orkhon-Expedition (MONDOrEx)

Karakorum ist nicht der einzige bedeutende Geschichtsort im Tal des Orchon. Mit Karabalgasun befindet sich eine zweite historische Reichshauptstadt nur 30 Kilometer flussabwärts. Karabalgasun war von etwa 742 bis 840 die Metropole des Reiches der Uighuren. Im Jahr 2007 wurde zur Erforschung von Karabalgasun und weiteren archäologischen Denkmälern des Orchontales vom Deutschen Archäologischen Institut und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften die Mongolisch-Deutsche Orchon-Expedition ins Leben gerufen. Kurze Zeit später schloss sich die Nationaluniversität der Mongolei der Kooperation an. Im gleichen Jahr wurde mit der Vermessung und Erforschung von Karabalgasun begonnen. Dieses Projekt wird bis heute fortgesetzt und steht für eine weitere Vertiefung der mongolisch-deutschen Zusammenarbeit auf dem Gebiet von Kultur und Bildung. Im Jahr 2018 kam mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden eine weitere Partnerin ins Projekt, die moderne digitale Technologien in die Forschung einbringt. Zudem ist sie Partnerin bei der Entwicklung von Aus- und Weiterbildungsangeboten. So konnten bereits mehrere Summer Schools mit mongolischen, deutschen und internationalen Studierenden in der Mongolei und Deutschland veranstaltet werden, die zugleich Austausch und Völkerverständigung förderten.